HeidelBergheim

Dienstag, 9. Februar 2010

Das machst du aber gut!

Die Pädagogik an sich ist ja auch wissenschaftlich ein überaus interessantes Gebiet, das dem Menschen noch immer Rätsel aufgibt. Man kann natürlich gezielte Manipulation vorwerfen, über fragwürdige Methoden diskutieren usw. Was jedoch immer noch das Unterhaltsamste an dieser Wissenschaft für sich darstellt, sind definitiv die Widersprüche im Handeln selbsternannter Erziehungsprofis wie eher ungeeigneten Eltern.


Für eine fröhliche, studentische, rücksichtslose und äußerst ignorante Feierei fehlte uns also so gegen 23:30 Uhr noch ein probates Mittel, um die eigenen Sinne zu vernebeln bzw. das eigene Bewusstsein ein wenig ins Unkontrollierbare zu befördern. Nachdem wir an der Shell um die Ecke uns mit entsprechenden Mittelchen eingedeckt hatten, fiel uns auf dem Rückweg eine Frau auf, die ihre beiden Sprösslinge über den Zaun neben besagter Tankstelle klettern ließ. Etwas verdutzt warteten wir auf eine gehörige Standpauke, Hinweise darauf, das man so etwas einfach nicht macht und das die beiden Jungs ganz ganz böse Menschen sind.

Nichts dergleichen, alles was uns zu Ohren kam war folgendes:

"Ganz prima, das könnt ihr aber toll!"

Das die Jugend also in die Illegalität abdriftet kann für mich nicht mehr unbegründet bleiben.

Unsere fröhliche, studentische, rücksichtslose und äußerst ignorante Feierei blieb dabei natürlich vollkommen legal.

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Mittwoch, 11. November 2009

Spezies: Mensch des 21. Jahrhunderts

Hauptbahnhof Heidelberg, Sonntag Nachmittag. Zunächst erscheint mir alles wie gewohnt, ich schlendere durch die Überführung in Richtung Bahnhofshalle, ergötze mich an der Lächerlichkeit meiner ständigen Angst um wertvolle Minuten bezüglich des Umsteigens am nächsten Bahnhof und stocke plötzlich, als ich feststelle, dass die Bahnhofshalle ungewöhnlich voll ist.


Eine kleine Ansammlung von Menschen, die nicht so aussehen als gehörten sie zusammen, verstopft mit stoischem Blick in ein und die selbe Richtung den Weg zum Vorplatz. Nachdem ich mich durch die Massen gekämpft habe und schon fast an meinem vorläufigen Ziel angelangt bin, überlasse ich meiner Sensationsgeilheit für einen kurzen Moment die Kontrolle über meine Ratio. Mein Kopf schwenkt also unweigerlich nach rechts, um eine kleine Nische in der Masse zu finden und zu entdecken, was so interessant scheint:

In einem Radius von circa fünf Metern haben Polizisten mittels Absperrband einen herrenlosen Koffer gesichert und sind jetzt hauptsächlich damit beschäftigt, die Passanten zum Weitergehen zu animieren. Sofort verlasse ich fluchtartig den Bahnhof und kann mir einige verachtende Gedanken nicht verkneifen.

Wie kann man denn regungslos das verantwortliche Objekt seines möglicherweise kurz bevorstehenden, noch dazu äußerst unschönen, Todes minutenlang anstarren?

Oder anders gefragt: Wie kann man denn stundenlang aktiv die Verbreitung eines unerforschten Virus mittels karnevalesken Rumleckereien an fremden Gläsern, Mündern und Schleimhäuten am ganzen Körper unterstützen?

Und zu guter Letzt: Wie kann man denn dann noch von sich behaupten, die Krone der Schöpfung/der zufällig existierenden Realität und zu allem Überfluss auch noch intelligent zu sein?

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Samstag, 7. November 2009

Heil!

Am Mainzer Bahnhof hat entweder irgendjemand irgendetwas ganz gewaltig falsch verstanden oder seinem unbändigen Zynismus freien Lauf gelassen.


So sieht das auch der rauchende Tarnmusterjackenträger, der, mittags um halb zwei sein erstes (?) Köstritzer Schwarzbier trinkend, meine fotografischen Aktivitäten beobachtet.

"Wasn Idiot, der dass da geschrieben hat! Eigentlich müsste da "Heil dem deutschen Reiche" stehen!"

Seine Argumentation als durchaus schlüssig erkannt, wähle ich den Weg der Zustimmung mittels heftigen Nickens, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass der gute Mann ca. zwei Meter größer ist als ich und Köstritzer Schwarzbier um halb zwei am Mittag trinkt. Leider glaubt er aufgrund meiner Zustimmung ganz offensichtlich, dass er in mir einen neuen Freund gefunden hat und beginnt damit, die komplette halbe Stunde Wartezeit die noch verbleibt damit, mich zuzutexten.

Praktischerweise ziehen just in diesem Moment auf der Brücke die Mannschaftsbusse des FSV und der Hannoveraner vorbei, womit praktischerweise auch gleich ein Gesprächsthema gefunden scheint.

Über Politik reden wir allerdings nicht mehr, ich hätte im Nachhinein allerdings sehr an mir interessiert gerne meine Naziqualitäten ausgetestet.

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Donnerstag, 22. Oktober 2009

Wohngemeinschaften

Mittellose Menschen, die mehr oder weniger freiwillig zusammenleben dürfen bzw. müssen, eine Wohnung, deren Einrichtung dem unglaublichen Raumangebot einfach nicht gerecht wird und natürlich ein üppig ausgestattetes Wohnzimmer (Foto).


Die Zutaten für mein derzeitiges Übergangsleben. Dazu kommt, dass in diesem Hause immer wieder nette Situationen aufkommen und damit verbunden die überaus spannende Tatsache, dass ausgerechnet unsere Wohnung die einzige im ganzen Haus zu sein scheint, der man keinen Türspion gegönnt hat.

Heute morgen sitze ich im Wohnzimmer und versuche, dem Chaos auf meiner Festplatte gerecht zu werden, während ich darauf warte, dass meine Mitbewohner, die allerspätestens um zehne (Achtung, badisch) aufstehen wollten um Pancakes zu machen, als es an der Tür klingelt. Gemächlich laufe ich durch Wohnzimmer und Flur, gelange an der Tür an, öffne (Gribbeln im Bauch wie immer, es könnten ja wieder die Zeugen Jehovas oder Amnesty International sein), und sehe: Nichts.

Niemand steht da. Etwas verdutzt schließe ich die Tür, ermahne mich selbst zur Rufbereitschaft sobald es klingelt, damit ich diese Schlingel auch bloß erwische, sollten sie es wagen zu nachtschlafender Zeit nochmal meine Klingel zu benutzen.

Es klingelt.

In einer halsbrecherischen Aktion aus Aufspringen, losrennen, die Fernbedienung wieder aufheben und Tür aufreißen gelingt es mir, innerhalb von 1,3 Sekunden vor der geöffneten Tür zu stehen und mit dem in dieser Situation grimmigsten Blick rauszustarren.

Niemand da. Nicht eine Menschenseele auf dem gesamten Flur ist zu sehen, wohl aber das Flurlicht scheint betätigt worden zu sein. Zwangsläufig muss als jemand da sein, ich bilde mir sogar ein, den Feind riechen zu können. In Uhrzeitlicher Schockstarre stehe ich bis an den Rand mit Adrenalin gefüllt im Türrahmen und warte auf meine Beute.

Nach einer halben Minute taucht ein Mann auf: Der Hausmeister (den ich heute übrigens das erste Mal treffe). Es gibt offensichtlich ein Problem mit den Klingeln und der arme, durchaus sympathische Mensch erklärt in seinem badischen Kauderwelsch, wie verzweifelt er danach suche und dass das Haus so groß sei, dass er wohl nie die Lösung fände.

Mein Nachbar, der inzwischen ebenfalls zwei mal an die Tür geeilt ist, beruhigt den guten Mann noch etwas und ich kann mittels Tee meinen Hormonspiegel weitestgehend ausgleichen.

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Montag, 19. Oktober 2009

Allgemeine Landeskunde (1): Italien

Aus rein evolutionären Gründen entscheide ich, dass es doch an der Zeit ist, mal wieder Nahrung aufzunehmen, damit eventuelle Nachkommen keinen Nachteil erleiden müssen. Schriesheim, ganz in der Nähe von Heidelberg, bietet zwar eine imense Fülle an Wein, magenfüllende, vor allem aber sättigende Angebote jedoch sind nicht zwangsläufig in der meinerseits gewünschten Fülle vorhanden.


Ich setze also auf altbewährtes, halte kurz inne und grinse fast stolz, in jedem Falle aber schelmisch in mich hinein, da ich nach dreieinhalb Monaten bereits von altbewährtem rede, und lasse mich im italienischen Restaurant an der Ecke nieder, in dem es die beste Bruschetta gibt.

Wie eingangs bereits erwähnt, trieb mich nicht zwangsläufig ein Hungergefühl, sondern mehr die Vernunft zum Essen. Folglich spähte ich die spärliche kleine Karte auf der Suche nach einer Erfindung der Neuzeit, dem Zwischengang, aus. Nachdem ich Pruschiutto con Funghi ohne Pilze bestellt hatte und mir innerlich gleich nach dem Aufgeben der Bestellung Ohrfeigen en masse verpasste, erntete ich den ersten, völlig zurecht abwertenden und zutiefst verachtenden Blick des italienischen Kellners.

Kellner: "Das heißt, Sie wollen Pruschiutto. Ohne Funghi also."

Innerlich wie äußerlich erötet stimme ich zu und gebe noch an, den Fehler selbst bemerkt zu haben, was nicht gerade entspannend auf die Situation gewirkt hat, was mir wenig später bewusst wurde.

Keine halbe Minute später stand der plötzlich sehr kühl wirkende Mann wieder vor mir um mir mitzuteilen, dass der Ofen kaputt sei.

Ohne lange zu überlegen, da ich den guten Mann seines feurigen italienischen Temperamentes mitten in Schriesheim ja nicht gänzlich entledigen wollte, bestelle ich als Alternative einen italienischen Salat.
Ich habe sein bezauberndes Lächeln für einen kurz Augenblick zurückholen können, sah mich wieder auf der Siegerstraße des diplomatischen Könnens und der internationalen Verständigung, als ich mich sagen hörte: "Aber bitte ohne Ei."

Wort- und Ausdruckslos, völlig entgeistert und kurz davor, mich rauszuschmeißen, drehte er ab um die Bestellung im schlimmsten Gossenitalienisch quer durch das Lokal bis in die Küche zu schmettern.

Mittlerweile hatte meine Hautfarbe ein Grundrot angenommen, dass mir den ganzen Abend erhalten bleiben sollte.

Nachdem ich dann noch ein Drittel der völlig überdimensionierten Portion an Zwiebeln, Käse, Schinken, Radieschen, Gurken, Tomaten und Blattsalate unangetastet lies, war der Abend so gut wie gelaufen.

Dummerweise ging ich auch noch davon aus, diese unglückliche Verkettung unglücklicher Unglücke mit einem satten Trinkgeld ausgleichen zu können. Es stellte sich heraus, dass diese Aktion der Gipfel meiner Respektlosigkeiten gewesen sein musste. Ein letztes verachtendes Grinsen, das Aufwickeln einer seiner italienischen Locken und das aggressivste Ciao meines bisherigen Lebens vollendeten den Abend.

Ich kann nur hoffen, dass er mich nicht dabei erwischt, wie ich den Hund heute Nacht an seine Mauer pissen lassen werde.

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Freitag, 9. Oktober 2009

Ohne Worte (3): Hätte nicht gedacht, dass du so drauf bist...

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Samstag, 3. Oktober 2009

Bus statt Bahn

Ich könnte natürlich wieder ellenlange Texte über die insgesamt drei verspäteten ICEs schreiben, die mir heute wieder einmal den Tag versüßten. Doch lassen wir das einstweilen und wenden uns einem anderen Thema zu: Wäldern und den dazugehörigen Provinzen.

Ich fand mich plötzlich und unerwartet mitten in der Rheinebene zwischen grünen Hügeln und braunen Kühen wieder und war zunächst leicht überfordert, da mein Bestreben, eine Bushaltestelle zu finden, auf Teufel komm raus keinen Erfolg haben wollte. Ich lief die mir angegebene Straße auf und ab und konnte das gelbe H auf grünem Grund, das mir wie sonst kaum etwas in dieser Welt zuwider ist, einfach nicht finden.

Beim dritten Versuch, ich sah mich den Bus schon verpassen und meine Nacht unter einer Kuckucksuhr verbringen, fiel mir dann ein mit ausrangierten Autofelgen beschwerter Holzpfahl auf, auf dem ein Pappschild (!) mit handgemaltem, grünem H auf gelben Grund (ja, die Farbwahl war missglückt) angebracht war. Ungläubig und mit der Befürchtung, einem schlechten Scherz des hiesigen Schützenvereins (Foto) unterlaufen zu sein starrte ich minutenlang auf das Schild.

Abgelöst, die Schrauben lagen auf dem Boden, lag neben der Konstruktion unter der Felge ein laminiertes Stück Papier: Der Fahrplan. Ich wartete, der Bus kam auf der anderen Seite an, ich überließ mich ungläubig meinem Schicksal und stieg ein.

62 lange Minuten bis Heidelberg Hauptbahnhof saß ich alleine in diesem Bus, rätselnd, ob sich meine 4,20 Euro für den Busunternehmer tatsächlich rentieren und kam schließlich und endlich, vor allem aber tatsächlich und wohlbehalten an.

Nie war es nötiger, dies zu unterstreichen, aber ja, alles an den hier getätigten Beschreibungen entspricht der Wahrheit. Ob Sies glauben oder nicht.

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